Am 31. August 1841 wurde in Schwyz der Schweizerische Studentenverein gegründet. Er war gedacht als Bollwerk der positiven Studentenschaft gegen den radikalen Zeitgeist. Im
Frühjahr 1843 entstanden die ersten Sektionen Fribourg und Schwyz. Im Herbst gleichen Jahres bildete sich eine dritte Sektion in Luzern.

Am 6. November 1843 schlossen sich sieben Studenten der ‚lucernischen Centralanstalt‘ zur Sektion Luzern des Schweizerischen Studentenvereins zusammen. Wohl hatte Luzern seit 1841 wieder ein konservatives Regiment, aber die Lehranstalt war noch ganz radikal, sowohl die Lehrer wie die Schüler. Die Abneigung gegen den neuen ‚Jesuitenverein‘ war allgemein. Schon im ersten Jahre hatte die Sektion Schlägereien mit radikalen Studenten zu bestehen. So griff die Sektion Luzern schon ein Jahr nach ihrer Gründung zu den Waffen. Zusammen mit anderen Studenten bildete man ein Freikorps. Die Sektion trat immer mehr an die Öffentlichkeit. Es gelang ihr, die radikalen Studenten nach und nach in die Minderheit zu drängen. Die Haupttätigkeit des jungen Vereins war also politisch, wie es in diesen wildbewegten Tagen kaum anders möglich war. Doch berichten die Protokolle auch über ganz ansehnliche wissenschaftliche Arbeiten. Mit viel Liebe pflegte man den Gesang. An den Sitzungen der Sektion, die gewöhnlich ‚zum St. Moritzen‘ an der Pfistergasse stattfanden, entzündete sich immer wieder die Begeisterung für das Vaterland und die gemeinsame konservative Sache. Mit wilder Begeisterung sang man den Riesenkampf.

Die Sektion bestand aus Theologen, Lyzeisten, Rhetorikern und Synaxisten. Diese Zusammensetzung liess den Gedanken einer Trennung in eine ‚sectio superior‘ und ‚inferior‘ unter einer gemeinsamen Leitung schon im Jahre 1844 aufkommen. Zwei Jahre später wurde diese Trennung vom CP sogar befohlen. Man gehorchte nicht. Auch später, im Jahre 1877, wurde ein Antrag auf Trennung abgelehnt. Die Sektion war nun soweit erstarkt, dass sie 1847 die Organisation der ersten GV in Luzern übernehmen konnte.
Mit dem Sonderbundskrieg wurde Luzern wieder liberal. Die Sektion stieg in die Katakomben; wurde zur Geheimverbindung. Die Sitzungen wurden in Privatwohnungen gehalten. Bei Entdeckung drohte Ausschluss aus der Schule. Manch einer bekam das ‚consilium non redeundi‘. Doch man ertrug alle Schikanen standhaft. Der ganze Verein blickte bewundernd nach Luzern. – In diese Periode (1851) fällt sogar die erstmalige Anschaffung von Band und Mütze (bis 1860 grün, nachher rot). Mitglied dieser Geheimverbindung war u.a. Josef Zemp, der spätere Bundesrat. Durch das treue Durchhalten dieser Geheimverbindung wurde die Sektion Luzern zur ältesten im Schw. StV. Einzig die Sektion Luzern kann eine ununterbrochene Semesterreihe seit 1843 vorweisen.

Nach sechsjährigem verborgenem Dasein erlangte man 1853 wieder die obrigkeitliche Genehmigung. Diese liberale Toleranz ermöglichte ein neues Aufblühen. Wieder wurde besonders die Wissenschaft gepflegt. Die luzernische Gemütlichkeit war sprichwörtlich im Verein. – 1860 wurde erstmals der Neujahrskommers gehalten. Er war gedacht als patriotische Gedenkfeier für die Vertreibung der Vögte. Später wurde er zum Stiftungsfest. Dieser Neujahrskommers in Luzern war neben der GV die grösste periodische Veranstaltung im Schw. StV, welche bis zum heutigen Tage anhält; wie eine GV im Kleinen. Nur wird der Neujahrskommers der 4. Strophe des Cantus „Heil Dir Stadt? gemäss seit 2004 nicht mehr traditionell in der Hochburg der CVP, nämlich im vormaligen Hotel Union gefeiert, sondern zunächst im Casinosaal und ab 2007 im Zeugheersaal des Hotels Schweizerhof.
1863 schaffte man sich die erste Fahne an.
In den 60er-Jahren des 19. Jahrhunderts war die Luzerner Sektion tonangebend im Verein. Es galt als das Herz des Vereins, als die treuste Hüterin der alten Traditionen. Dies aus dem Grund, dass ihr Mitglieder oft bis sieben Jahre angehörten. Der Vorrang Luzerns wurde allgemein anerkannt. Man blickte gern nach Luzern, nach der ‚sectio semper fidelis‘, wie man sie nannte. Dieser Name ist einem Teil der Sektion bis heute geblieben. Es ist der einzige Fall im Schw. StV, dass sich eine Verbindung den Namen nicht selber gegeben, sondern vom Gesamtverein erhalten hat.

Die Sektion war gross geworden und es war schwierig, sie zusammenzuhalten. Auch machte sich allmählich eine Kluft zwischen den jüngeren Mitgliedern und den Theologen bemerkbar. 1883 wurde das Priesterseminar eröffnet. Die Theologen wünschten immer weitgehendere Dispensen vom Farbentragen, vom Besuch der offiziellen Anlässe, usw. Regens Haas, der spätere Bischof, legte ihnen nahe, Mütze und Band an den Nagel zu hängen. Durch Entgegenkommen konnte sich die Verbindung die Theologen vorläufig noch erhalten. 1888 feierte man gemeinsam die dritte Fahnenweihe. Doch im folgenden Jahr wurde dann den Theologen die Mitgliedschaft bei der Semper Fidelis endgültig verboten. Die alte ‚sectio semper fidelis‘ wurde weitergeführt durch die Gymnasiasten. Man wusste sich den Verhältnissen anzupassen. Im Seminar entstand 1891 eine eigene Sektion, die Waldstättia. So gingen die Theologen dem Verein nicht verloren.
Heute sieht man die folgenden Gründe als Ursache der Abspaltung an:
1. Mitgespielt beim Verbot der Mitgliedschaft durch das Priesterseminar haben, wenn auch nicht als Hauptgrund, die Zwistigkeiten zwischen Gymnasiasten und Theologen. Das Studienjahr 1888/89 begann denn auch schon unter denkbar ungünstigen Voraussetzungen: Die Rekonstitution des Präsidiums wurde vorgenommen, ohne auf die Abwesenheit vieler Theologen Rücksicht zu nehmen. Die Antwort der Theologen war ein Ultimatum. – Nach beendetem Streit und dem Sieg der Theologen entstanden bei andauernd gereizter Stimmung im Sommer 1889 neue Spannungen. Es ist deshalb nicht verwunderlich, wenn diese Reibereien den bischöflichen Entscheid beschleunigten.
2. Auch der grosse Altersunterschied von bis zu sieben Jahren, sowie die Unterschiede auf wissenschaftlichem Gebiet zwischen Gymnasiasten und Theologen riefen nach Ansicht mehrerer damaliger AHAH und Aktiver nach einer schnellen Trennung.
3. Hauptgrund für das Theologen-Verbot scheint aber der Umstand gewesen zu sein, dass die Seminarordnung dem ständigen Ausgang der Theologen an den Stamm entgegenstand. – Anfänglich noch liess sich die Seminarordnung aufgrund finanzieller Schwierigkeiten nicht so durchsetzen wie es das Tridentium verlangte. Aus diesem Umstand erklärt sich denn auch der relativ grosse Zeitraum seit der Gründung des Seminars bis zum Theologen-Verbot. Mehr und mehr aber bekam das Seminar seine Schwierigkeiten in den Griff und versuchte entsprechend mehr, die Seminarordnung durchzusetzen. So kam es denn auch, wie es kommen musste: Den Theologen wurde verboten, sich aktiv am Verbindungsleben der Semper Fidelis zu beteiligen.

Jüngere Geschichte:
Seit 1977 sind auch Protestanten willkommene Mitglieder im Schw. StV und demnach auch in der Waldstättia, ebenso wie seit 1968 Frauen im Verein aufgenommen werden.
Mit der Eröffnung der Universität Luzern im Jahr 2000 kamen neben den Theologiestudenten auch Mitglieder mit anderen Fachrichtungen hinzu.

2002 weihte die Waldstättia eine neue Fahne ein.
Aktive der AV Waldstättia haben sich überdies im Gesamtverein verdient gemacht, Ruth Peterhans v/o Tonic, Diel Tatjana Schmid v/o Olympia, Mirjam Gähweiler v/o Memphis und Corina Schmid v/o Celia waren jeweils für ein Jahr im Zentralkomitee engagiert.